| Darauf
kannst du pfeifen...
Einige Ideen für eine spaßige Werkarbeit, die Köpfchen erfordert aber ohne Fingerspitzengefühl nichts zu Gehör bringt von Uli Schuster |
Die
Abbildung zeigt einen Schnitt durch eine Pfeife. Der Pfeifenkörper
wird durch ein Rohr gebildet, das aus Karton, aus Plastik (Rohre zum Verlegen
von Elektroleitungen aus dem Baumarkt), aus Holz (z.B. einjähriger
Hollunder) sein kann. Für dieses Rohr suchen wir uns einen passenden
Rundstab aus Holz, der streng sitzt, aber das Rohr beim Einstecken nicht
sprengt. Von diesem Rundstab sägen wir ein kurzes Stück, ca 1
cm lang sauber ab. Das wird unser Pfeifenkern. Wir hobeln, schneiden oder
schleifen ihn an einer Seite in Längsrichtung ganz wenig ab, so daß
zwischen dem Rohr und dem Kern beim Verschließen ein kleiner Spalt
bleibt, durch den wir die Luft in den Pfeifenkörper blasen können.
Der harte Luftstrahl trifft auf die Labiumkante und wird dort aufgespalten,
was zu einem rauschenden Ton führt. Ein Teil wirbelt in den Pfeifenkörper
und versetzt die dort vorhandene Luft in Schwingungen, die je nach dem
Volumen der Luftsäule zu einem hohen oder tiefen Klang führt.
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![]() Bei
dieser Pfeife aus Hollunderrohr ist die Öffnung bereits geschnitten.
Man sägt mit der Puk-Säge quer zur Längsrichtung der Pfeife
einen vertikalen Einschnitt und hebt dann mit dem Messer einen schrägen,
leicht gerundeten Keil aus dem Rohr. Um eine scharfe Labiumkante zu erhalten,
kann man mit einer Halbrundfeile etwas nachhelfen. Dann wird der
Kern
eingeführt. Er muß so lang sein, daß seine vordere Kante
bis zum Anfang der "Öffnung" reicht (siehe Querschnitt). |
Wie weit genau man den Kern einschieben
darf, um einen optimalen Klang zu erreichen, das probiert man am besten
aus. Deshalb ist es gut, wenn man den Kern noch gut im Rohr verschieben
kann. Manchmal kommt der Ton leichter, wenn man den Pfeifenkörper
hinten ganz oder ein wenig verschließt. Wenn man von hinten einen
Rundstab einführt (er muß nicht streng sitzen, z.B. ein Bleistift)
dann kann man durch Verkürzen oder Verlängern der schwingenden
Luftsäule die Tonhöhe verändern und entscheiden, wo man
die Pfeife am besten absägt und verschließt. Ganz genau stimmt
man, indem man das Pfeifenrohr in ein Glas mit Wasser eintaucht und sich
den Wasserstand am Rohr markiert.
Rundstäbe
bekommt man nicht in jedem Durchmesser. Aber der Kern sollte gut sitzen.
Deshalb ist es gut einen Bohrer mit dem Maß des Rundstabs
bereit zu halten und das Hollunderrohr vorsichtig etwas auf Maß zu
bohren. Bei Plastikröhren hat man solche Probleme nicht und auch nicht
bei Kartonröhren, die man die Schüler selbst herstellen läßt:
Rundstab mit Durchmesser 10 cm mit einer Plastikfolie einmal straff umwickeln, damit die Pappe nicht am Stecken kleben bleibt. Dann Streifen von Zeitungspapier mit Tapetenkleister sehr eng und straff etwa in 10 Lagen um den Kern wickeln und gut trocknen lassen. |
![]() Wer
Wert legt auf ein besonderes Aussehen der Pfeife im Sinn einer Tarnung,
der baut sich diese aus Ton. Das Besondere an diesem Exemplar: Mundstück
und Klangkörper stehen im rechten Winkel zueinander. Die Luft bläst
man dem Tier in den schmalen Spalt seines Mauls, den man am besten mit
einer schmalen Blechspachtel erzeugt. in der Draufsicht ist die Öffnung
und das Labium zu erkennen. Die Pfeife muß schon im ungebrannten
Zustand klingen, sonst besteht auch nach dem Brennen wenig Hoffnung. |
![]() Schon
mal in eine Kuckucksuhr geschaut? Was da klingt, sind zwei Pfeifen
in einfachster Bauart, und jede mit einem kleinen Balg versehen, der durch
einen Hebel angehoben und vom eigenen Gewicht der Balgplatte wieder
zusammengedrückt wird. Wir haben solche Bälge aus Papier und
Pappe nachgebaut. Beide Balgplatten schneidet man aus 3mm Graupappe natürlich
mit der Schneidemaschine ca 7,5 x 4 cm . Die obere Balgplatte muß
ein Loch bekommen, auf das, oder besser, in das die Pfeife paßt.
Den Balg kann man aus Papier falten, muß ihn allerdings möglichst
winddicht mit den Platten verkleben. |
Ein
Schnittmuster
zum Falten des Balgs hat manche Schüler zur Verzweiflung getrieben,
weil sie sich nicht vorstellen konnten wie die Sache funktionieren kann.
Aber einige findige Schüler sind in jeder Klasse und irgendwie spricht
es sich dann schon herum. In der Kuckucksuhr waren die Bälge früher
in der Regel aus feinem Ziegenleder. Die Geschmeidigkeit und die Winddichtigkeit
des Materials sind die Kriterien, die den Ausschlag geben. Wer will, und
sich nicht erwischen läßt, der kann von Mutters Fensterleder
ein Stück entwenden. |
![]() Jede
Menge Schikanen lassen sich erfinden, wenn man die Sache auf die Spitze
treiben will, Hier ein Luxusmodell für die Kuckuckspfeife mit Handkurbel.
Der Kurbeldraht war einmal ein Kleiderbügel aus der Reinigung.
Die Bälge sind aus Fensterleder, die Balgplatten aus Hartfaser,
die Pfeifen aus Hollunderrohr. Um den richtigen Winddruck zu erzeugen
wurde hinten am Balg eine Druckfeder installiert. Bei der Kuckucksuhr
liegt der Balg über der Pfeife. Die Schwarzwälder Bauern haben
vor 200 Jahren mit einfachsten Werkzeugen ganze Uhrwerke geschnitzt und
gedrechselt. Insofern ließe sich der Bau solcher Pfeifenwerke mit
einem Stück Kulturgeschichte verbinden. |
Man
kann sich die Sache auch als Lehrer interessanter machen, wenn man sich
beim Pfeifenbau selbst in den Bereich der Erfindung begibt. Diese Pfeife
beispielsweise ist ein waschechtes Lehrerexemplar. Sie besitzt einen Balg
aus Gummituch, der schon viel Luft schöpft. Beim Absenken der
auf der Deckplatte des Balgs befestigten Pfeife wird ein Stöpsel
aus dem Pfeifenrohr gezogen. Der Ton beginnt also hoch und wird hart
angeblasen. dann senkt sich der Ton herab und der Luftdruck läßt
nach bis zu einem zarten Hauch. Der Antrieb erfolgt wie bei dem oben gezeigten
Kuckuck über eine Kurbel mit einer Nocke. Die Nocke
hebt einen Zapfen (Schaschlikspieß) an, der im Pfeifenkörper
steckt. Zwei Federn sorgen für einen maßvollen Druck.
Der Stöpsel muß oben gleiten können, was über eine
Ösenschraube am Stöpselende und einen
Federdraht
sichergestellt wird. |
![]() Die
begabteren der Schwarzwälder Uhrenbauer sind ins Fach der Orgelbauer
übergewechselt und haben walzengesteuerte (Portativ) oder uhrwerksgetriebene
Orgelwerke gebaut mit vielfältigen Stimmen und Registern. Orgelbau
ist auch heute ein hoch anspruchsvolles Handwerk. Allerdings sterben die
Experten fast aus, die die komplexe Technologie noch beherrschen.
Für die Mechanik des Uhrwerkskuckucks habe ich eine leicht verständliche Darstellung (links) mit Blick aus dem Inneren der Uhr heraus gefunden. Ganz vorne steht die Schloßscheibe des Schlagwerks gerade kurz vor 12. Sobald das Schlagwerk vom Uhrwerk freigegeben wird, wird der Vogel über mehrere Hebel nach vorne bewegt, wodurch sich auch die Tür öffnet. Der Auslösemechanismus für die Bälge ist leider nicht dargestellt. Neben der Uhr hat sich ein Vogelstimmenlaufwerk verselbständigt, die "Nachtigall". Es tönt wesentlich komplexer, basiert allerdings auf nur einer Pfeife, deren Rohr mit einem Kolben versehen ist. Durch Heben und Senken dieses Kolbens, sowie durch eine damit abgestimmte Luftzufuhr entsteht das für den mechanischen Singvogel typische Zwitschern. |
| http://members.aol.com/ReinerJank/home-lai.htm#erklaer
Reiner Janke bietet eine hervorragende Seite für Leute, die wissen wollen, wie eine Orgel, eine Pfeife... funktionieren. Mit etlichen sehr anschaulichen Animationen http://www.schmuckecke.de/klassiker2/kuckuck.html
http://www.kuckuck.de/geschichte.html
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