Luitpold-Gymnasium München                                                            Leistungskurs Kunsterziehung
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Frühstück im Atelier
Eduard Manet (1832-1883)
gemalt 1869, Größe 2,40 x 1.20m, Öl auf Leinwand,
Neue Pinakothek, München
 
 

von Laura Schusinski, Jahrgangsstufe 12


Eindruck
Auf den ersten Blick sehe ich hier ein Stilleben, nur daß an der Stelle von Früchten Menschen das Stilleben als Bildgegenstände dienen. Es herrscht Stille und Schweigen zwischen den Personen, sie scheinen sich nicht wahrzunehmen. 
In meiner Analyse möchte ich nun einige Punkte herausarbeiten, die dieses Bild verständlich machen.

Beschreibung
Wir sehen drei Personen und eine Katze. Die Kleidung des jungen Mannes in der Mitte ist lässig aber wirkt trotzdem vornehm aufgrund der Krawatte und des schwarzen Jackets, der Strohhut dagegen vermittelt Sonne und Freizeit und nimmt dem ganzem Outfit die Strenge. Der ganze Typ ein Dandy. Der Herr dagegen rechts ist vornehm und streng gekleidet . Er trägt einen Zylinder und einen Anzug. Die Frau im Linken Teil des Bildes scheint eine Bedienstete zu sein da sie schlichte Arbeitskleidung trägt und eine Kaffeekanne in der Hand hält. Eine Katze sitzt links unten im Bild und kehrt dem Betrachter den Rücken zu. Ihr aufgestelltes Bein läßt vermuten, dass sie sich gerade putzt. Das Bild enthält auch eine Anzahl Gegenstände, die stillebenhaft angeordnet sind und die man als Requisiten bezeichnen könnte. So zum Beispiel der Metallhelm links unten im Bild oder auch das daneben liegende Schwert. Die Personen im Raum schauen aneinander vorbei und erwecken daher den Eindruck eines monumentalen Stillebens - "Nature mort". Der im Zentrum stehende junge Mann ist lässig an den gedeckten Tisch gelehnt. Er blickt am Betrachter vorbei in die Ferne. Der Tisch trennt ihn von dem sitzendem Herrn mit Vollbart und Zylinder der nach links schaut. Was er allerdings dort betrachtet bleibt dem Betrachter verborgen. Hinter dem jungen Mann steht die Bedienstete und hält die Kaffeekanne. Ihr Blick peilt an dem Jungen vorbei in unsere Richtung, ohne uns allerdings anzusehen. Die dargestellten Personen scheinen, von der Bediensteten abgesehen, einem gehobeneren Stand anzugehören und die Situation spiegelt dieses Milieu wieder.

Ordnung der Bildfläche
Das Format des Bildes beträgt 118 x 154cm im horizontalen Querformat, dadurch hat dieses Bild eine überschaubare Größe, der man sich auch auf einen Abstand von 2m ruhig nähern kann. Das Bild orientiert sich stark um die Bildmitte und weist eine gewisse Symmetrie auf. Durch die strenge Architektur, die im Bild besteht, erscheinen die Personen und Gegenstände statisch, aber diese Statik löst sich zum Bildrand hin auf. Von der Statik geht Festigkeit und eine Unbewegtheit aus. Es wird keine Handlung vermittelt sondern eher eine fotografische Momentaufnahme. Das Bild besitzt eine klare Struktur. Dies läßt sich am Aufbau der Senkrechten und Waagerechten erkennen, die den Eindruck von Ausgewogenheit bewirken. Die Bildfläche ist wie durch einen fotografischen Ausschnitt begrenzt, da der junge Mann ab den Knien nicht mehr dargestellt ist und auch der Herr rechts einfach vom Bildrand abgeschnitten ist. 

Ordnung des Bildraumes
Die Raumillusion wird zum einen durch die Staffelung der Personen erreicht, aber auch durch die Gegenstände, die auf Balance bedacht, im Raum verteilt sind. Es läßt sich auch eine groß-klein Beziehung zwischen den Personen feststellen, denn die Bedienstete ist in ihrer Körpergröße fast ganz zusehen, ist aber trotzdem kleiner als der junge Mann im Mittelpunkt des Bildes, der, obwohl er ab den Knien gar nicht mehr dargestellt ist, mehr Raum einnimmt als sie. Auch durch Verkleinerung der Gegenstände nach hinten schafft Manet Raum.. Er bedient sich schließlich der Farbe, als raumschaffendes Element, da er eher blaugraueTöne benützt, die den Effekt von Ferne und somit räumliche Tiefe suggerieren. Die Distanz wird auch durch das Verschwimmen der Konturen der hinteren Gegenstände und Personen erreicht. Dagegen ist die Hauptperson, welche ganz vorne im  Bild zentriert steht, genau mit klaren Umrissen dargestellt und mit dem kräftigen Schwarz des Anzugs scharf betont. Diese Darstellung ist auch nach diesem Prinzip der Fotografie gemalt, wo die Gegenstände, bzw. Personen im Vordergrund schärfer sichtbar sind als die im Hintergrund. Der Bildraum wirkt nicht kulissenartig, dazu ist er zu flach, aber es ist eine Perspektive zu erahnen durch den Tisch und die Öffnung der Gefäße, allerdings kann man sich nur schwer vorstellen, wie es nach links und rechts weitergeht,da auch die Wand immer gleichbleibend dargestellt ist. Der Horizont liegt ungefähr auf der Höhe Kopfes des am Tisch sitzenden Mannes. Da das Bild kaum Perspektive besitzt gibt es keine Fluchtpunkte und kaum Fluchtlinien.
Manet lenkt den Blick des Betrachters auf den jungen Mann. Zum einen erreicht er dies durch die genaue Ausarbeitung mit filfigranen Pinselstrich dieser Person, zum anderen aber auch durch die Zentrierung des jungen Mannes genau im Mittelpunkt des Bildes. Er bedient sich aber auch der Farbe um die Aufmerksamkeit der Betrachters auf den Mann zu lenken indem er ein starkes Schwarz für dessen Anzug verwendet und dies in Kontrast zum weißen Tischtuch setzt. Der Hintergrund wird dagegen eher verdrängt, indem Manet ihn weniger ausarbeitet und verschwimmen läßt. Es läßt sich eine gewissen Draufsicht des Betrachters auf die Szene feststellen, da man auf den Hutdeckel blickt auch die Öffnungen des Blumentopfs und des Glases sehen kann. Die Personen lassen sich auch von weitem gut erkennen, die Bedienstete erscheint einem dann sogar genauer, doch die Gegenstände erkennt man aus der Ferne weniger gut und so muß man sich als Betrachter dem Bild schon auf zwei Meter annähern. Es existiert keine Identifikationsbrücke wie zum Beispiel eine Rückenfigur im Bild in die man sich hineinversetzen könnte, aber es wird zumindest ein bißchen der Kontakt mit dem Betrachter aufgenommen durch die Bedienstete, die einem ein wenig melancholisch ins Gesicht blickt. Doch im großen und ganzen sind die Personen im Bild eher für sich und bilden trotz ihrer richtungsmäßigen Zuwendung eine gedankliche Distanz zum Betrachter. So richtet sich zum Beispiel der Blick des jungen Mannes stur an einem vorbei und der Blickdes hinteren Mannes wird in die linke Richtung des Bildes gelenkt 
Der dargestellte Raum scheint gut betretbar, da durch die leichte Perspektive ein Weg in das Bild führt und der Raum nicht unerreichbar scheint, sondern eher Nähe vermittelt. Ein weiterer Punkt zum Verhältnis des Bildes zum Betrachter ist, dass der Betrachter nicht einen ganzen Überblick über den Raum erhält, sondern nur einen gewissen Ausschnitt sieht. So kann er zum Beispiel nicht erkennen, wie der Raum nach links oder nach rechts weiterführt, und er kann auch nicht wahrnehmen, wie der Raum in der Höhe beschaffen ist. All dies kann der Betrachter nur vermuten.

Die Farbordnung
Manet erzielt trotz seiner groben und somit deutlichen Pinselstriche eine sehr gut nachvollziehbare Stofflichkeit von verschiedensten Oberflächen, wie zum Beispiel den weichen Samt des Sessels oder das schimmernde Glas. Besonders gut ist ihm meiner Meinung nach die Darstellung von der porzellanartig weißlichen Haut des jungen Mannes gelungen. Es scheint, als könne man die Haut regelrecht ertasten.
Das Bild ist in Ölfarbe gemalt. Die Haupttöne im Bild sind die Farben Schwarz , Blau, Gelb, ein cremeweißer Farbton der als Hautton verwendet wird und vor allem fein abgestufte Grautöne. Wie sich unschwer erkennen läßt stehen der Schwarzton des Jackets des jungen Mannes und die weiße Farbe seiner Hose aber auch seiner cremeweißer Hautton im starken Kontrast zueinander. Auch die weiß-bläulicheTischdecke hebt den Kontrast noch einmal hervor. Einen Zusammenklang vermitteln allerdings die Farben des Hintergrunds, welche einen grauen Ton besitzen und an einigen Stellen in ein helles Blau übergehen. Durch diesen Farbklang wirkt der Hintergrund als Einheit und die Aufmerksamkeit richtet sich auf den Vordergrund. Im Bild läßt sich sowohl das Lokalkolorit von Gegenständen erkennen, wie zum Beispiel das naturgetreue Grün der Pflanze, oder auch das Gelb der Zitrone. Aber trotzdem dominiert der grau-in-grau Ton der sich wie ein Schleier über das Bild legt. Dieses schleierhaftige wird durch den Zigarettendunst im oberen rechten Teil des Bildes noch unterstrichen.
Durch die fein abgestuften Grau- und Schwarztöne und die nur spärlich vorhanden reinen Farben wie Gelb erreicht der Maler ein harmonisches Gesamtbild. Es geht von diesen eher kühleren Tönen viel Ruhe aus.
Der Hintergrund, der am stärksten im Grauton gehalten ist, vermittelt Ferne und gibt dem Raum Tiefe. Der Vordergrund dagegen, der ein wenig Gelb und viel Schwarz verwendet, gibt einem das Gefühl von Nähe.
Das Licht in diesem Bild scheint von vorne rechts aus der Richtung des Betrachters zu kommen da die Gesichter einen Schatten nach links und auch die Gegenstände einen leicht nach links gerichteten Schatten besitzen. Das Licht scheint kein künstlich erzielter Effekt zu sein. Trotzdem vermute ich nicht daß es das Atelierlicht ist. Vielleicht hat Manet die Personen teilweise im Freien nachempfunden und dann die Lichteinwirkungen im Atelier übertragen. Was mich ein wenig irritiert ist das starke Gelb des Strohhuts auf dem Kopf des jungen Mannes, das entfernt an einen Heiligenschein erinnert.

Interpretation
Manet malt eine Kunst-Welt . Das Bild ist ein optischer Genuß aufgrund der virtuosen Malweise. Er hat eine ausgeprägte Neigung für stoffliche Werte, die ihm dazu dienen alles auf seine eigene Weise zu charakterisieren. Darin zeigt sich die, dem aufkommendem Impressionismus fremde Auffassung, sowie auch die prägnante Körperlichkeit und Räumlichkeit und natürlich nicht zu vergessen der hohe Anteil an grauen und schwarzen Farbtönen. Er setzt sich bei diesem Bild auch mit der Realität auseinander, da er seine Umwelt malt und damit als einer der ersten seiner Zeit das zeitgenössische Lebensgefühl bildnerisch umsetzt.
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Literatur, Quellen
Hugo von Tschudi:" Kampf um die Moderne, von Manet bis Van Gogh", 
Kammerlohr Band IV,

1. http://btr0xw.rz.uni-bayreuth.de/cjackson/manet/manet_bio.htm
   Biographie über Manet, ausführlich ca 2 Seiten, auf Deutsch
   http://btr0xw.rz.uni-bayreuth.de/cjackson/manet/index.html
   Hauptseite über Manet mit Bildern und Links

2. http://www.artchive.com/ftp_site.htm
    umfangreiche Seite über Manet mit Bildern, links zu zeitgenösischen Künstlern, 
    mit Biographie und Links zu  Quellen, auf Englisch

3. http://www.mystudios.com/manet/manet.html
   von Uni Erlangen , mit Biographie

4. http://www.wetcanvas.com/Museum/Artists/m/Edouard_Manet/index.html
ausführliche Biographie, auf Englisch, und 9 Bilder mit kurzer Beschreibung

5. http://www.artsednet.getty.edu/ArtsEdNet/Resources/nortonSimon/manet.htm
    Biographie mit einem Bild Manets auf Englisch, mit Links

6. http://www.janaszek.de/bilderatlas.html
    wenig zu Manet nur mit Bilder

7. http://btr0xw.rz.uni-bayreuth.de/cjackson/manet/manet_bio.htm
     ca. 1 Seite Biographie 

8. http://www.hearts-ease.org/gallery/19th-c/realist/manet/
    Hauptseite, auf Englisch mit Bildern
    http://www.hearts-ease.org/gallery/19th-c/realist/manet/bio.html
    Biographie ca.1 Seite, auf Englisch

9. http://www.xs4all.ch/~androom/dead/manet.htm
      knappe Biographie auf Englisch

10. http://www.ocaiw.com/manet.htm
      viele Bilder, mit Beschreibung , alles auf Englisch